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Bepanthen oder Bepanthen Plus – was gehört auf ein frisches Tattoo?

Bepanthen, Bepanthen Plus oder doch eine spezielle Tattoo-Creme? Ich erkläre dir die Unterschiede, räume mit einem hartnäckigen Mythos auf und zeige, worauf es bei der Pflege eines frischen Tattoos wirklich ankommt.

Bepanthen Pflegeprodukte neben einem tätowierten Arm
KI-generierte Illustration · Way of Art

Bei der Pflege eines frischen Tattoos tauchen immer wieder dieselben Fragen auf: Bepanthen oder Bepanthen Plus? Creme oder Salbe? Oder doch ein spezielles Tattoo-Pflegeprodukt? Obwohl die Auswahl gross ist und viele Produkte ähnlich klingen, sind sie nicht automatisch für denselben Zweck gedacht. Ich erkläre dir, wo die Unterschiede liegen, was es mit dem hartnäckigen Mythos vom „Farbe herausziehen“ auf sich hat – und warum bei der Tattoo-Pflege oft weniger wichtiger ist als mehr.

Bepanthen ist nicht gleich Bepanthen

Wenn von „Bepanthen“ gesprochen wird, ist nicht immer dasselbe Produkt gemeint. Für die Tattoo-Pflege sind vor allem Bepanthen MED Salbe und Bepanthen MED Creme interessant. Beide enthalten Dexpanthenol, das in der Haut zu Pantothensäure – auch bekannt als Vitamin B5 – umgewandelt wird. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Zusammensetzung und Konsistenz und damit auch darin, wie sie sich auf der Haut anfühlen.

Dexpanthenol unterstützt die natürliche Regeneration der Haut. Nach dem Auftragen wird es in der Haut zu Pantothensäure (Vitamin B5) umgewandelt, die unter anderem eine wichtige Rolle bei natürlichen Stoffwechsel- und Erneuerungsprozessen der Haut spielt. Gleichzeitig helfen dexpanthenolhaltige Pflegeprodukte dabei, die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und geschmeidig zu halten – Eigenschaften, die während der Heilung eines Tattoos besonders angenehm sein können.

Der wesentliche Unterschied zwischen Salbe und Creme liegt also nicht im Dexpanthenol, sondern in der jeweiligen Grundlage. Die Salbe ist reichhaltiger und bleibt stärker auf der Haut liegen, während die Creme leichter ist und schneller einzieht. Welche Variante angenehmer ist, hängt auch von der eigenen Haut, der tätowierten Körperstelle und dem persönlichen Empfinden ab.

Warum ich für ein normal heilendes Tattoo kein Bepanthen Plus brauche

Für die normale Pflege eines unkompliziert heilenden Tattoos empfehle ich meinen Kunden Bepanthen MED Salbe oder Bepanthen MED Creme. Das enthaltene Dexpanthenol unterstützt die Hautpflege während der Heilungsphase.

Anders sieht es bei Bepanthen MED Plus aus. Auch hier kommt Dexpanthenol zum Einsatz, zusätzlich enthält das Produkt jedoch Chlorhexidin. Chlorhexidin ist ein antiseptischer Wirkstoff und dient dazu, Keime in einer Wunde zu reduzieren. MED Plus ist deshalb nicht einfach eine weitere Variante von Salbe oder Creme, sondern für einen anderen Anwendungszweck gedacht.

Das bedeutet nicht, dass Bepanthen MED Plus ein schlechtes Produkt ist. Es ist schlicht für einen anderen Zweck gedacht.

Zieht Bepanthen Plus Farbe aus dem Tattoo?

Dieses Gerücht hält sich in der Tattoo-Welt erstaunlich hartnäckig: Bepanthen Plus oder das darin enthaltene Chlorhexidin würde angeblich die Farbe aus einem frischen Tattoo ziehen.

Dafür gibt es keinen überzeugenden Mechanismus. Beim Tätowieren werden die Pigmente in die Lederhaut – die sogenannte Dermis – eingebracht. Chlorhexidin ist ein Antiseptikum: Seine Aufgabe besteht darin, Mikroorganismen zu bekämpfen und damit Infektionen vorzubeugen beziehungsweise einzudämmen. Es ist kein Wirkstoff, der eingelagerte Tattoo-Pigmente aus der Haut „zieht“.

Dass ein frisches Tattoo zunächst Wundflüssigkeit, etwas Blut und überschüssiges Pigment abgibt, ist davon zu unterscheiden. Diese Flüssigkeit entsteht als Folge des Tätowierens und der natürlichen Wundreaktion – nicht durch die spätere Pflege mit einer Creme. Während der ersten Phase befindet sich bei meinen Kunden ohnehin eine spezielle Schutzfolie direkt auf dem gereinigten und trockenen Tattoo. Unter diese Folie gehört keine Creme, da sie auf sauberer, trockener Haut haften muss.

Erst nach der Folienphase beginnt die Pflege mit Salbe oder Creme. Zu diesem Zeitpunkt geht es darum, die heilende Haut dünn zu pflegen und geschmeidig zu halten.

Dass Bepanthen Plus die Tattoo-Farbe „herauszieht“, ist für mich deshalb kein Argument gegen das Produkt. Der entscheidende Punkt ist viel einfacher: Bei einem normal heilenden Tattoo brauche ich das zusätzliche Antiseptikum in der täglichen Pflege in der Regel nicht.

Salbe oder Creme – was ist besser fürs Tattoo?

Auch darüber wird gerne diskutiert. Für mich ist die Antwort weniger dogmatisch: Beides kann funktionieren.

Bepanthen MED Salbe und MED Creme enthalten beide Dexpanthenol. Die Salbe ist reichhaltiger und bleibt stärker auf der Haut liegen, während sich die Creme leichter anfühlt und schneller einzieht.

Viel entscheidender als die Frage „Salbe oder Creme?“ ist für mich deshalb, wie du das Produkt verwendest.

Ein frisches Tattoo muss nicht unter einer dicken Cremeschicht verschwinden. Nach der Folienphase solltest du die Haut regelmässig, aber dünn pflegen. Wird sie trocken oder beginnt zu spannen, kannst du nachcremen. Eine dicke Schicht bringt nicht automatisch eine bessere Heilung.

Lieber öfter dünn eincremen als selten eine dicke Schicht auftragen.

Und was ist mit speziellen Tattoo-Pflegeprodukten?

Tattoo-Cremes, Balms und Aftercare-Produkte gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Bei dieser grossen Auswahl ist es gar nicht so einfach zu beurteilen, welches Produkt für die eigene Haut geeignet ist. Die Bezeichnung „Tattoo“ oder „Aftercare“ allein sagt darüber noch wenig aus. Entscheidend sind die Inhaltsstoffe – und vor allem, wie deine Haut darauf reagiert.

Gerade frisch tätowierte Haut ist empfindlich. Deshalb bevorzuge ich eine eher einfache und gut verträgliche Pflege. Bei Produkten mit vielen zusätzlichen Inhaltsstoffen schaue ich genauer hin. Insbesondere unnötige Duftstoffe, ätherische Öle oder stark reizende Zusätze brauche ich auf einem frisch gestochenen Tattoo nicht.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass jeder zusätzliche Inhaltsstoff automatisch schlecht ist. Hautverträglichkeit ist individuell – und genau das erlebe ich auch im Studio.

Warum ich meinen Kunden Bepanthen empfehle

Über die Jahre habe ich viele unterschiedliche Pflegeprodukte bei meinen Kunden gesehen. Dabei gibt es praktisch bei jedem Produkt irgendwann jemanden, dessen Haut nicht gut darauf reagiert. Das können kleine Pusteln, Rötungen, Juckreiz oder andere Irritationen sein.

Ein Produkt kann bei zehn Menschen hervorragend funktionieren und bei der nächsten Person Probleme verursachen. Das macht es nicht automatisch zu einem schlechten Produkt. Menschen und ihre Haut sind unterschiedlich.

Mit Bepanthen MED Salbe und MED Creme habe ich persönlich über viele Jahre sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei meinen Kunden habe ich bislang keine vergleichbaren Unverträglichkeitsreaktionen erlebt. Das ist einer der wesentlichen Gründe, weshalb ich Bepanthen bis heute empfehle: nicht weil es das einzige geeignete Produkt wäre, sondern weil es sich in meiner täglichen Arbeit für mich sehr gut bewährt hat.

Das ist allerdings eine persönliche Erfahrung aus meiner Arbeit als Tätowierer und keine Garantie für die Verträglichkeit. Auch auf Inhaltsstoffe eines bewährten Produktes kann ein einzelner Mensch empfindlich reagieren.

Was für den einen hervorragend funktioniert, muss für den anderen nicht automatisch die beste Lösung sein. Hör auf deine Haut und auf deinen Körper.

Wenn deine Haut nach dem Auftragen eines Pflegeproduktes zunehmend gerötet oder gereizt wird, stark juckt oder sich kleine Pusteln bilden, solltest du nicht einfach weitercremen, nur weil dir jemand dieses Produkt empfohlen hat.

Wenn du dir unsicher bist, kannst du dich bei mir melden. Bei einer starken oder zunehmenden Hautreaktion sollte die Stelle medizinisch beurteilt werden.

Die Pflege beginnt nicht mit der Creme

Bevor überhaupt Salbe oder Creme ins Spiel kommen, geht es zunächst darum, das frisch gestochene Tattoo zu schützen. Direkt nach dem Tätowieren decke ich es deshalb mit einer speziellen atmungsaktiven Schutzfolie ab.

Bei kleineren Tattoos, die nur wenig Wundflüssigkeit produzieren, kann diese Folie in der Regel mehrere Tage auf der Haut bleiben, solange sie sauber und rundherum dicht ist.

Bei grösseren Tattoos oder stärker beanspruchter Haut kann sich dagegen schon in den ersten Stunden deutlich mehr Wundflüssigkeit, Blut und überschüssige Farbe sammeln. Dann ist ein Folienwechsel bereits nach einigen Stunden sinnvoll. Falls nötig, kann am folgenden Tag nochmals gewechselt werden.

Wird die Folie undicht, löst sie sich deutlich, ist stark mit Wundflüssigkeit gefüllt oder reagiert die Haut ungewöhnlich darauf, sollte sie früher gewechselt oder entfernt werden.

Meine vollständigen Tattoo-Pflegehinweise

Von der Schutzfolie über Waschen und Eincremen bis zu Sport, Sonne und langfristiger Pflege habe ich die wichtigsten Hinweise auf einem kompakten Pflegeblatt zusammengestellt.

Woran erkenne ich, ob mein Tattoo normal heilt?

Ein frisches Tattoo ist eine verletzte Hautstelle. Eine leichte Rötung, Wärme, Empfindlichkeit oder Schwellung kann besonders zu Beginn normal sein. Auch Wundflüssigkeit und etwas überschüssige Farbe können in den ersten Stunden austreten.

Nach einer längeren Tattoo-Sitzung kann sich der Körper zunächst erschöpft anfühlen. Auch Frösteln oder ein vorübergehendes Unwohlsein können in den ersten Stunden auftreten. Entscheidend ist auch hier die Entwicklung: Die Beschwerden sollten sich bessern und nicht in den folgenden Tagen stärker werden.

Lass dein Tattoo medizinisch beurteilen, wenn beispielsweise:

  • Rötung oder Schwellung deutlich zunimmt,
  • die Haut zunehmend heiss oder stark schmerzhaft wird,
  • Eiter oder auffälliges Sekret austritt,
  • sich rote Streifen von der tätowierten Stelle ausbreiten,
  • du in den Folgetagen Fieber bekommst oder dich zunehmend krank fühlst,
  • oder sich eine starke beziehungsweise ungewöhnliche Hautreaktion entwickelt.

Wenn du dir unsicher bist, ob das, was du siehst, noch zu einer normalen Tattooheilung gehört, kannst du dich jederzeit bei mir melden. Bei Anzeichen einer Infektion oder deutlichen gesundheitlichen Beschwerden solltest du die Stelle medizinisch beurteilen lassen.

Gute Tattoo-Pflege muss nicht kompliziert sein

Ein Tattoo braucht während der Heilung vor allem Ruhe, Sauberkeit und eine vernünftige Pflege. Mehr Produkte und mehr Wirkstoffe bedeuten nicht automatisch eine bessere Heilung.

Für die normale Pflege empfehle ich meinen Kunden Bepanthen MED Salbe oder MED Creme – dünn aufgetragen und angepasst daran, wie sich die Haut verhält. Bepanthen MED Plus hat seinen eigenen Einsatzzweck, ist aber nicht meine Standardpflege für ein normal heilendes Tattoo.

Genauso wenig musst du Bepanthen verwenden, wenn du mit einer anderen geeigneten Tattoo-Pflege gute Erfahrungen machst und deine Haut sie gut verträgt. Entscheidend ist nicht der Markenname auf der Tube, sondern dass die Pflege zu deiner Haut und zur jeweiligen Heilungsphase passt.

Die Betreuung eines Tattoos endet für mich nicht in dem Moment, in dem du das Studio verlässt. Wenn du während der Heilung Fragen hast oder dir bei etwas unsicher bist, melde dich.

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